Dekanatsbezirk Pappenheim

Engelandacht

Die Kinder haben Engel gebastelt:
Bunte, glitzernde, mit lockigen Haaren so, wie wir sie uns meist vorstellen, wie sie auch auf alten Gemälden oft dargestellt werden.
Sie schweben als himmlische Heerscharen über der Krippe und verkünden so das Lob Gottes, die frohe Botschaft. Sie gehören zur Weihnachtszeit,
zur Weihnachtsgeschichte dazu.
Aber: Engel sind auch ganz anders – so wie es Otto Wiemer in seinem bekannten Gedicht sehr schön beschreibt:

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.
Sie gehen leise, und müssen nicht schreien,
oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel.
Sie haben kein Schwert kein weißes Gewand, die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.
Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel.
Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel,
groß wie ein Pfahl und hart, wie ein Stein –
es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Rudolf Otto Wiemer

Vielleicht sind die Engel unserer Tage die Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern und Pfleger, die in den Krankenhäusern und Pflegeheimen ihren Dienst tun, um das Leben der Menschen kämpfen, da sind, sich einsetzen, über ihre eigenen Kräfte hinaus.
Wie wird deren Weihnachten aussehen, während sich mancher aufregt, dass er Weihnachten nicht all die Besuche machen kann, die sonst auf dem Programm standen?

Es müssen nicht Männer mit Flügel sein, die Engel.
Ja, wenn wir anfangen nachzudenken, fällt uns vielleicht mancher leibhaftige Engel ein, der uns in unserem Leben schon begegnet ist, der uns geholfen hat, gutgetan hat, wieder Hoffnung und Mut gemacht hat in einer schwierigen Situation oder eben einfach da war, nicht davon gelaufen ist, sondern die Not mit ausgehalten hat. Wie dankbar können wir sein, wenn wir solche Menschen an unserer Seite haben?!

Weihnachten begegnen sie uns, die Engel: in der Krippe, auf dem Feld bei den Hirten, in vielen Schaufenstern und Regalen und vielleicht steht auch einer daheim bei Ihnen auf dem Tisch, am Fenster und lächelt sie an. Menschen können Engel sein – aber „Engel“ ist noch viel mehr.
Die Engel der Kinder glitzern, sie sind schön, und in unseren Vorstellungen tragen sie eine übernatürliche Schönheit, die sie über unser irdisches Sein hinwegheben. Engel sind Boten Gottes, als solche tauchen sie auch in der Bibel auf; in der Weihnachtsgeschichte verkünden sie den Hirten die frohe Botschaft: Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren!
Sie haben kein eigenes Wesen – sie sind Gottes gute Macht, die sich uns Menschen zuwendet. Sie sind wie das „Gesicht Gottes“ – manchmal begegnen sie uns in realen, menschlichen Gesichtern und manchmal, da spüren wir, dass es eben mehr gibt als das, was wir fassen, berechnen und begreifen können.
Gottes Welt ist größer als unser menschlicher Verstand fassen kann.
Weihnachten ist das Versprechen, dass Gott sich klein gemacht hat und in unsere Welt gekommen ist, damit wir zu ihm kommen können.
Die Engel sind Wegweiser, Bilder, Hoffnungszeichen für Gottes Nähe in unserem Alltag, die uns immer wieder berührt und im Herzen berühren will.

Darum zum Schluss ein Segensgebet:

Sende uns Engel, dass sie uns behüten,
dass sie uns beisteh’n auf unseren Wegen.
Ein starker Engel sei an deiner Seite,
wenn du bedroht wirst, steh er dir bei.
In Gottes Kraft, so mög er für uns streiten,
von bösen Mächten mache er uns frei.
Ein leiser Engel soll dir den Blick weiten,
das Ohr dir auftun und ans Herz dich rühr’n.
Er kommt als Bote, sanft will er uns leiten,
dass wir die Weisung Gottes in uns spür’n.
Ein guter Engel möge dich begleiten,
in Gottes Namen und von ihm gesandt.
So wird er über uns die Flügel breiten,
wenn wir ihn bitten, nimmt er unsre Hand.
Ein lichter Engel soll die Dunkelheiten,
die dich bedrängen, wandeln in das Licht.
Er macht uns heil und führ uns durch die Zeiten,
bis wir dann schauen Gottes Angesicht.
Sende uns Engel, dass sie uns behüten,
dass sie uns beisteh’n auf unseren Wegen.

Lothar Zenetti

Pfarrerin Jutta Störch (Kirchengemeinde Bieswang)